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Zweijährige Weiterbildung für Lehrer/innen ab August 2018: "Darstellendes Spiel für die Sekundarbereiche I und II" 

Unser Weiterbildungsangebot für Lehrerinnen und Lehrer "Darstellendes Spiel für die Sekundarbereiche I und II" geht ab August 2018 in eine neue Runde. Der Kurs läuft über zwei Jahre, umfasst 250 Zeitstunden und wird in unterschiedliche langen, mehrtägigen Blöcken durchgeführt. Struktur und Inhalte richten sich nach den Vorgaben des Niedersächsischen Landesinstituts für schulische Qualitätsentwicklung (NLQ). Die Schulen stellen die Teilnehmer/innen für die Weiterbildung insgesamt drei Tage pro Jahr frei.

 

Das "lange Modul" beginnt immer an einem Donnerstag um 17 Uhr und dauert bis 21 Uhr. Am nachfolgenden Freitag arbeiten wir ganztägig von 9 bis 18 Uhr, samstags ebenfalls ganztägig von 10 bis 19 Uhr. Eine Stunde Mittagspause ist dabei vorgesehen. Das "kurze Modul" beginnt immer an einem Freitag um 16 Uhr und dauert bis 21 Uhr. An den darauf folgenden  Samstagen wird von 10 bis 19 Uhr mit Unterbrechung durch eine Mittagspause gearbeitet. Die Sonntage sind generell frei. Die Weiterbildungsmodule finden alle in Göttingen statt. Die Teilnehmerzahl ist auf 18 begrenzt.

 

Nach dem erfolgreichen Abschluss der Weiterbildung erhalten die Teilnehmer/innen von uns ein Zertifikat und vom NLQ die Zusatzqualifikation für das Fach "Darstellendes Spiel". Die Kosten betragen 1.600 Euro und werden in vier halbjährlichen Raten bezahlt. Darin sind keine Verpflegungs- oder Unterbingungskosten enthalten.

 

Die nächste Weiterbildung beginnt im August 2018 und dauert bis Juni 2020. Anmeldungen nehmen wir ab sofort per E-Mail unter der Adresse info@stille-hunde.de oder telefonisch unter 0551-6345700 entgegen und bitten um folgende Angaben:

 

- Name, Adresse, Telefonnummer

- Fächerkombination und Dienstgrad

- Name und Adresse der Schule 

 

Bei Fragen und für Rücksprache steht das Team von stille hunde jederzeit gerne zur Verfügung.

 


 

 

Stücke für Kinder


Vom kleinen Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat

Stück für Kinder ab 4 Jahren

nach dem Bilderbuch von Werner Holzwarth und Wolf Erlbruch

 

Geschichten sind ein wunderbares Geschenk. Vor allem, wenn sie von einem Tier berichten, das man so gut wie nie sehen kann, weil es im Verborgenen lebt und nur ganz selten ans Tageslicht kommt. Ein Tier wie ein Maulwurf beispielsweise. Wenn einem solchen Tier auch noch etwas Aufregendes passiert, dann ist es eine fast schon perfekte Geschichte. Und so beginnt sie: Der kleine Maulwurf schaut gerade aus seinem Hügel heraus, um nachzusehen, ob die Sonne schon aufgegangen ist. Da fällt etwas vom Himmel. Es ist rund und braun und sieht ein bisschen wie eine Wurst aus. Und das Schlimmste: Es fällt ihm auf den Kopf. Weil das, was ihm da auf den Kopf gefallen ist, überhaupt nicht dahin gehört, ist der Maulwurf sehr wütend. Er will wissen, wer ihm auf den Kopf gemacht hat, und begibt sich auf den Weg, um den Übeltäter zu finden. Jedes Tier, das ihm begegnet, wird verhört und muss seine Unschuld augenfällig beweisen...

 

Christoph Huber und Stefan Dehler haben mit viel Spielwitz und einfachen Theatermitteln aus dem Kult-Bilderbuch ein anarchisches Stück Clowntheater gemacht, das nicht nur den kleinen Zuschauern gefällt, sondern auch Erwachsenen Spaß macht. Das Duo zeigt seine freche Bühnenfassung nun schon seit über zehn Jahren in Göttingen und als Gastspiel im In- und Ausland.

 


Cowboy Klaus und das pupsende Pony

Stück für Kinder ab 5 Jahren

nach dem Buch von Eva Muszynski und Karsten Teich

 

Zu einem richtigen Cowboy fehlt Klaus noch einiges. Richtige Cowboys schlafen nämlich nachts am Lagerfeuer und trinken Kaffee aus Blechtassen. Klaus schläft nicht am Lagerfeuer, sondern im Federbett und er trinkt aus einer Porzellantasse mit Blümchenmuster. Seine Arbeit ist auch nicht das Kühetreiben, sondern findet auf den Feldern seines Bauernhofs statt. Natürlich stinkt ihm das. Als es ihm eines Tages bei der Maisernte besonders stinkt, entdeckt er auf einmal ein Pony, das mitten im Feld steht, Maiskolben frisst und pupst. Klaus ist glücklich. Ein solches Reittier kann er gut gebrauchen, wenn er seinem Traum vom Cowboyleben ein Stück näher kommen will. Leider lässt sich das Pony nicht einfach so reiten, sondern rast mit Klaus davon, um ihn irgendwo draußen in der Wüste vor die Füße eines Fremden zu werfen...

 

„Cowboy Klaus und das pupsenden Pony" ist der erste Band einer erfolgreichen Reihe von satirisch gefärbten Geschichten, die das Autorin-Grafiker-Gespann Eva Muszynski und Karsten Teich für Erstleser konzipiert haben. Stefan Dehler und Christoph Huber haben das Abenteuer des Möchtegerncowboys mit dem pupsenden Pony und seinem wahren Besitzer nun erstmals auf die Bühne gebracht.

 

Pressefotos:

 

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Der gestiefelte Kater

Stück für Kinder ab 4 Jahren

nach dem Märchen der Brüder Grimm

 

„Wie der Herr, so das Gescherr”, behauptet der Volksmund und hat dabei - Gott sei Dank - nicht immer recht. Denn im Falle praktischer Klugheit kann es vorkommen, dass der Diener dem Herrn überlegen ist. Eines der prominentesten Beispiele dafür ist der märchenhafte Kater, der - ausgestattet mit einem Paar schöner Lederstiefel - seinen Besitzer zu Einsicht, Grundbesitz und Krone bringt, ohne dass dieser so ganz versteht, wie ihm geschieht.

 

Stefan Dehler und Christoph Huber erzählen die berühmte Geschichte, die als eines der Märchen der Brüder Grimm in den Kanon der Weltliteratur eingegangen ist, mit einer ganzen Reihe origineller Theatermittel als Paradebeispiel tierischer Schlauheit und menschlicher Einfalt nach.

 


Käpten Knitterbart und seine Bande

Stück für Kinder ab 5 Jahren

nach dem Bilderbuch von Cornelia Funke und Kerstin Meyer

 

Wer würde nicht gerne einmal Pirat sein, mit vollen Segeln in See stechen und ehrliche Seeleute ausrauben? Damit auch alles genau so geschieht, wie man es sich vorstellt, müsste man allerdings der Anführer den Bande sein. Dazu braucht man ein langes Messer, eine Pistole, eine angsteinjagende Brüllstimme und einen schaurigen roten Bart - ganz so wie der gefürchtete Käpten Knitterbart. Allerdings sollte man eines nicht tun: Kleine Mädchen überfallen. Das hat der Käpten Knitterbart nämlich getan, und das war sein größter Fehler...

 

stille hunde geben der bekannten Bilderbuchgeschichte einen herrlich ironischen Dreh, wenn sie - scheinbar ganz ohne Absicht - in lustvollem Streit eine abenteuerliche Männerfantasie in eine Geschichte der mutigen und starken Frauen verwandeln.

 


Herr Faust will alles wissen

Stück für Kinder ab 4 Jahren von Stefan Dehler und Christoph Huber

 

Herr Faust liebt Bücher. Am liebsten sitzt er zu Hause und liest. So wie heute. Aber da bellt ein Hund in seinem Garten. Das stört Herrn Faust beim Lesen. Also geht er hinaus, um den Hund einzufangen. Herr Faust ist sehr erstaunt, dass er da draußen einen merkwürdigen Mann antrifft, der angeblich mal ein Hund war und sich nun als Herr Teufel vorstellt. Herr Faust ist überzeugt davon, dass Herr Teufel ein Zauberer ist, und so bittet er ihn, ihm ein paar Wünsche zu erfüllen. Herr Teufel ist einverstanden, wenn er dafür ein Herz bekommt. Herr Faust ist bereit, seines herzugeben, und danach ist Herr Teufel zu allen Schandtaten bereit. Er macht Herrn Faust zum König und sich zum Diener. Er holt Wein aus seiner Tasche und Geld aus seiner Hose, und dann organisiert er eine Weltreise und führt Herrn Faust zu all den Orten , die der noch nie gesehen hat. Aber irgendwann ist auch die längste Reise zu Ende. Herr Teufel möchte nun das Herz. Es steht ihm ja zu. Herr Faust muss es hergeben. Damit könnte sein Leben und diese Geschichte zu Ende sein, aber ein ganz kleines bisschen anders kommt es dann doch.

 

Stefan Dehler und Christoph Huber erzählen die Geschichte des mit allen Mitteln den Sinn des Lebens suchenden Universalgelehrten Faust als Märchen von der Entdeckung der Welt. Ihre Helden Herr Faust und Herr Teufel begeben sie sich auf eine fantastische Reise,  ersteigen die höchsten Berge, tauchen in den Ozean, spucken von den Wolken und erleben ganz am Ende unverhofft ein wahres Wunder.

  

 

Stücke im Abendprogramm

 

Satiren 


Schwalbe, du Mädchen!

Chronik eines Kreisligaspiels, Musik von Leon Hast

 

Champions sind sie wahrhaftig nicht, die Kicker, die vom Ex-Fußballprofi Schepek trainiert werden. Ganz im Gegenteil. Keiner von ihnen scheint für den Rasen geboren zu sein, weder der zentnerschwere Verteidiger Gabler, noch der ängstliche Möhlich, weder der Gelfrisurenfreund Kordes noch die beiden testosterongetriebenen Stürmer Radic und Possmann. Und auch der namenlose Rest der Gurkentruppen macht dem Vereinssponsor keine Ehre und erst recht keine Freude. Dabei würde Harry Seele fast alles für einen Sieg geben. Tatsächlich zieht der skrupellose Fußballfreund hinter den Kulissen gewaltig die Strippen, besticht mit Geld und guten Worten fast alle und jeden. Leider ist wahre Hingabe an den Sport nicht in jedem Fall käuflich und so spitzt sich nicht nur das Geschehen auf dem Spielfeld, sondern auch abseits der Öffentlichkeit dramatisch zu, und Harry Seele droht über die Unfähigkeit seiner Spieler, eine Saunabekanntschaft mit Edelrassehund, die Migräneanfälle der Ehefrau und die ponyhofbesessene Tochter schier den Verstand zu verlieren.

 

In ihrer „Chronik eines Kreisligaspiels” werfen Stefan Dehler und Christoph Huber satirische Schlaglichter auf die treibenden Kräfte in einer fiktiven Fußballprovinz: In den Rollen des Trainers Schepek und des Vereinssponsors Harry Seele reden und schweigen sie in zweimal 45 Minuten über alles, was ihre Helden bewegt: die Aussichtslosigkeit, mit rein sportlichen Kräften ein Spiel zu gewinnen, das Gel in den Haaren der Spieler, Abseitsfallen und die verpassten Torchancen des Lebens.

 

Pressestimme

 


Hammerschlag und Muffensausen

Heimwerkertragödien

  

Nichts kann so zerstörerisch für eine Ehe sein wie die Liebe eines Mannes zu seinem Schwingschleifer. Und nichts so lebensbedrohlich wie der Ehrgeiz, stockbesoffen auf Bierkästen balancierend eine Vereinsfahne über der Tür anzunageln. Nichts ist so kopfzerbrechend wie das Gewicht eines Hängeschranks, der von nicht fachmännisch eingedrehten Schrauben gehalten wird. Aber ebenso kopfzerbrechend kann auch eine simple Rechenaufgabe sein, wenn es gilt, die Anzahl von benötigten Fliesen pro Quadratmeter zu ermitteln. Die Welt der Heimwerker ist eine tragische, ganz gleich, was die Werbung der Baumärkte auch immer verspricht. Wasserschäden und Stromschläge, zersplitterte Kacheln, stürzende Schrankwände, absackende Terrassen, windschiefe Gartenhäuser und wackelnde Zäune sind die traurige Wahrheit.


Von Könnern, heimlichen Tricksern und unheimlichen Versagern, vor allem aber von den dramatischen Folgen der Leidenschaft fürs Selbermachen erzählen Stefan Dehler und Christoph Huber an diesem Abend. Zur Sprache kommen ganz nebenbei auch Einsatzmöglichkeiten chinesischer Duschkopfplagiate, die Misere unlesbarer Gebrauchsanweisungen und die Nützlichkeit von handtaschengroßen Werkzeug-Sets.

 

 

 

Klassiker


Dantons Tod

von Georg Büchner

 

Das fünfte Jahr der Revolution hat einen ihrer größten Helden müde gemacht: George Danton, einst Idol der Massen und führender Politiker der jungen Republik, träumt vom Rückzug ins Privatleben. Das von ihm und seinen Anhängern geforderte Ende der massenhaften Hinrichtungen politischer Gegner provoziert die gegnerische Partei der Jakobiner. Deren Anführer Robespierre plant nach der Beseitigung der ultraradikalen Sozialrevolutionäre die Vernichtung des reichen und politisch gemäßigten Bürgertums, dem er die Schuld für die wirtschaftliche Misere anlastet. In Danton erkennt er einen gefährlichen Konkurrenten, der seinem Ziel einer durch Staatsterror geformten "Tugendrepublik" im Weg steht. Während Dantons Anhänger alles daransetzten, ihren widerstrebenden Anführer zu einem rettenden Gegenschlag zu bewegen, gelingt es Robespierres Parteigängern, die Weichen für einen Prozess zu stellen, der schließlich Dantons Tod besiegelt.

 

Der Fokus der Bühnenfassung, die auch Schlaglichter auf private und intime Momente im Leben der Revolutionsführer wirft, liegt auf der Konfrontation zweier Machtpolitiker, die dem gemeinsam erstrittenen politischen Ziel, die Republik, auf radikal unterschiedliche Weisen die Zukunft sichern wollen.

 


Faust

von Johann Wolfgang Goethe

 

Der Universalgelehrte Faust ist mit dem Latein am Ende. Seiner quälenden Neugier sind nach Jahren des Forschens und Studierens endgültig Grenzen gesetzt. Kein Buch und weder wissenschaftliche noch magische Verfahren können ihm das Geheimnis des Daseins enthüllen. Enttäuscht von der eigenen Unzulänglichkeit erwägt er den Selbstmord als letzten Schritt zur Erkenntnis. Nur das Heilsversprechen der Osternacht hält ihn zurück, und so trifft ihn am nächsten Tag der Teufel Mephistopheles noch lebend an, um ihm einen Pakt vorzuschlagen. In der Gewissheit nichts verlieren und nur gewinnen zu können, vertraut sich Faust ganz der Führung des bösen Geistes an. Durch Zauberkräfte in seine Jugendgestalt zurückversetzt, lernt er nun die Welt von ihrer sinnlichen Seite kennen. Einen vorläufigen Höhepunkt des Genusses erlebt Faust in der Liebe zu Gretchen. Die heimliche Beziehung dauert nicht lange. Mephisto verleitet Faust zu anderen Exzessen. Der Gedanke an die Geliebte lässt Faust aber nicht los. Gegen Mephistos Rat will er sich ihr wieder zuwenden - zu spät, denn die über seine Untreue verzweifelt junge Frau hat ihr gemeinsames Kind getötet und ist zum Tod verurteilt worden. Noch im Kerker versucht Faust, Gretchen zur gemeinsamen Flucht zu überreden, doch sie hat sich bereits für Reue und Sühne und gegen ein Leben an seiner Seite entschieden.

 

Pressestimme

 


Othello

nach der Tragödie von William Shakespeare

 

Gegen den Widerstand ihrer Familie heiratet der aus Nordafrika stammende Söldnergeneral Othello die venezianische Senatorentochter Desdemona. Das Eheglück der beiden steht unter keinem guten Stern, denn hinter ihrem Rücken entfesselt Othellos alter Kampfgenosse Jago, der seinem Dienstherrn die Verweigerung einer längst überfälligen Beförderung nicht verzeihen kann, eine Intrige, die auf den guten Ruf Desdemonas zielt. Als Othello vom Senat beauftragt wird, die venezianischen Handelsrouten vor den Seestreitkräften des osmanischen Sultans zu verteidigen, ist Jagos Stunde gekommen. Im Militärcamp auf Zypern gelingt es ihm, in Othello den Verdacht keimen zu lassen, Desdemona setze eine schon in Venedig begonnene Affäre mit einem anderen Mann fort. Tief verunsichert und gequält von einer wachsenden Eifersucht verlangt Othello einen sicheren Beweis für die Untreue seiner Frau. Unter Druck gesetzt verschafft sich Jago ein Indiz, mit dem es ihm gelingt, die Wahrhaftigkeit seines Szenarios glaubhaft vorzutäuschen. Erschüttert trifft Othello eine fatale Entscheidung...

 
stille hunde hat den 400sten Todestag William Shakespeares zum Anlass genommen, die berühmte Tragödie um grenzenleugnende Liebe, gekränkten Ehrgeiz, Rache und blindmachende Eifersucht in einer zeitgemäßen Form nachzuerzählen. 

 

Pressestimme

 


Macbeth

nach der Tragödie von William Shakespeare

 

Macbeth, Vasall im Dienst König Duncans, öffnet Ohr und Herz bösen Einflüsterungen: Ermutigt durch seine Erfolge an der Kriegsfront, spielt er mit dem Gedanken, eine höhere Laufbahn einzuschlagen. Leider stehen ihm noch die erbberechtigten Söhne des Königs und moralischen Skrupel im Weg. Sein Ehrgefühl kann seine Ehefrau so weit dämpfen, dass er zum Königsmord bereit ist. Als Duncan in seinem Haus eine Siegesfeier abhält, scheint die Gelegenheit gekommen. Mit Hilfe seiner Frau ermordet Macbeth den Dienstherrn und schiebt die Schuld auf dessen Leibwache. Die Söhne des Toten fliehen aus Angst, ebenfalls angegriffen zu werden. Macbeth lässt sich zum neuen Anführer wählen. Damit scheint er am Ziel seiner Wünsche. Frieden findet er aber nicht; im Gegenteil: Die Angst, entlarvt zu werden, steigert sich. Seinen langjährigen Kampfgenossen Banquo lässt er töten, um einen Mitwisser und Konkurrenten loszuwerden. Die Prophezeiung, dass er niemanden zu fürchten brauche, wenn er nur rücksichtslos genug vorgehe, macht ihn selbstsicher. Das Blatt wendet sich, als er den Bogen überspannt und die Familie Macduffs, in dem er einen Verräter wittert, umbringen lässt. Seine Gegner bilden nun eine tödliche Allianz. Während seine Frau, die einstige Triebfeder seines Tuns, in selbstzerstörerischem Wahnsinn versinkt, kämpft der geächtete und verfolgte Macbeth in trotziger Selbstüberschätzung den letzten Kampf.

 

stille hunde zeigen Shakespeares Tragödie vom Aufstieg und Fall eines Königsmörders als konzentrierten kammerspielhaften Psychokrimi. Die eigens für die Produktion entwickelte Textfassung konzentriert das Spiel kunstvoll auf die Hauptfiguren des Dramas: Menschen, die einander verführen und verraten, mal Täter, mal Opfer, immer aber Getriebene und Verlorene sind.

 

Pressestimme

 


Cyrano von Bergerac

nach dem Schauspiel von Edmond Rostand

 

Christian ist gutaussehend, Cyrano intelligent. Was der eine hat, fehlt dem anderen. Zusammen ergäben die beiden aber den idealen Mann - einen, wie ihn sich die schöne Roxane als Liebhaber erträumt. Also arbeiten die ungleichen Freunde gemeinsam daran, Roxane zu erobern. Mit Cyranos Ideen und Christians gutem Aussehen gelingt das. Roxane ist begeistert von den Briefen und Gedichten, die Christian ihr schickt, die aber allesamt aus Cyranos Feder stammen. Als sich Christian dank Cyranos Einflüsterung auch bei den heimlichen Treffen unter vier Augen als intelligent und einfühlsam zeigt, glaubt Roxane, den Mann fürs Leben gefunden zu haben. Die Freude der Männer über diesen Erfolg hält nicht an; insgeheim wissen sie: Alles ist Illusion. Keinem gehört das Herz Roxanes allein...


stille hunde zeigt Edmond Rostands berühmte Dreiecksgeschichte, die als Liebeskomödie beginnt und als Tragödie der Lügen, Selbstverleugnungen und Selbsttäuschungen ausklingt, in einer konzentrierten und pointierten Neufassung.

 


Tartuffe

nach der Komödie von Molière

  

Die Dummen sterben nicht aus, und diejenigen, die von ihnen leben, werden also auch nicht weniger. Während der wohlhabende Orgon aufrichtig daran glaubt, einen geläuterten Menschen in dem Ex-Häftling Tartuffe gefunden zu haben, lebt sein vormals krimineller Hausgast seine bisweilen amoralischen Bedürfnisse voll und ganz aus. Dass sich Orgons Familie darüber empört, stört weder den Hausherrn noch Tartuffe...

 

Molières satirischer Kommentar zu den Erlösungssehnsüchten eines von Besitzerwerb und Besitzstandwahrung moralisch gebeutelten Bürgertums und dessen menschlich-allzumenschlichen Dämonen hat stille hunde zu einer freien Nachdichtung angeregt. Die von der Kritik gelobte Neuproduktion der einstigen Skandal-Komödie entstand 2014 anlässlich des Jubiläums der Uraufführung vor 350 Jahren.

 

Pressestimme

 


Der Drachentöter - Die Sage vom Siegfried, sehr frei nacherzählt vom Wandertheaterbetreiber Alberto Kniff

nach den alten Heldengesängen

 

Dass Kunst allein nicht satt macht, davon kann der Wandertheaterbetreiber Kniff ein Lied singen. Ja, die brotlose Kunst wird bei ihm zur Stütze eines einträglicheren Gewerbes – eine notwendige Dreingabe zu den Dingen, die er verhökert. Das Theater muss herhalten, um schlichten Schnaps und gekochte Eier an den Mann und die Frau zu bringen. Also steht die Sage vom Ursprung dieser als lebensverlängernd angepriesenen Köstlichkeiten auf dem Spielplan. Gespielt wird – und das ist Kniff seinem Ego schuldig – nur Hochkultur. Kleine Brötchen backt Herr Kniff nicht, kulturell gesehen. Die alte Erzählung vom Recken Siegfried, seinem Kampf gegen den Drachen, der Erwerb eines Goldschatzes und der anschließende Aufstieg zu Ritterehren und Prinzenwürde ist gerade gut genug für sein Talent. Herr Kniff bringt also – natürlich in eigener Textfassung – Welthistorie auf die Bühne. Normalerweise tut er das mit sich selbst als einzigem, den Anforderungen der großen Rollen genügenden Darsteller. Genaugenommen bleibt ihm auch nichts anderes übrig, denn seine Truppe ist durch seinen rüden Umgang mit Personal auf einen einzigen Mitarbeiter geschrumpft, den im Oberstübchen nicht gerade hellen Herrn Schalentier. Der hat eigentlich nur die Bühne zu fegen, Kaffee zu kochen, den Vorhang auszubürsten und seinem Chef alle Wünsche von den Lippen abzulesen. Nur ab und zu, wenn es gar nicht anders geht, darf er neben dem Meister auf den Brettern stehen – als Stichwortgeber. Aber es kommt der Tag, wo er dem Sklavendasein entkommt, zumindest für eine Stunde im Reich der Fantasie. Denn in der Rolle des Helden Siegfried nimmt er das Schwert in die Hand und damit die Macht über beinahe alles, was auf dem Theater geschieht: Siegfrieds einstige Heldentaten werden so zu Herrn Schalentiers aktuellen Triumphen – und der gute Herr Kniff hat alle Mühe, die Geschichte einigermaßen auf dem Gleis seines Dramas zu halten. Dass das nicht ohne Blessuren abgeht, versteht sich selbst. Aber nicht nur die Kunst erleidet beträchtlichen Schaden, sondern auch die Akteure, die über fast jede Hürde der alten Sage stolpern und sich nicht nur an Drachenatem, gut beheizten Jungfrauenfelsen und heißer Liebe die Finger verbrennen.

 

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Eine Weihnachtsgeschichte

nach der Erzählung von Charles Dickens

 

Herr Scrooge arbeitet hart für sein Geld und hat nichts zu verschenken. Nichts und niemandem. Auch nicht zu Weihnachten. Da schon gar nicht. Herr Scrooge hält das Geschenkemachen nämlich grundsätzlich für eine unverantwortliche Geldverschwendung. Er spart lieber. Verständlich, dass Herr Scrooge keine Freunde hat. Und so sitzt er am Weihnachtsabend alleine in seiner ungeheizten Wohnung. Alleine? Nein, nicht ganz. An diesem Abend kommen ungebetene Besucher - und als die wieder verschwunden sind, ist Herr Scrooge ein anderer Mensch geworden…


stille hunde hat aus der berühmten Geistergeschichte von Charles Dickens ein raffiniert konstruiertes Zwei-Personen-Stück gemacht, das die Geschichte von der wundersamen Wandlung des boshaften Ebenezer Scrooge durch die Geister der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft satirisch zugespitzt auf die Bühne bringt.

 

Pressestimme

 

 

 

Zeitgeschichtliche Stoffe


Die Besserung

nach Berichten ehemaliger Häftlinge des Jugendkonzentrationslagers Moringen

 

Als die Jugendlichen Wilhelm und Franz 1942 im Konzentrationslager Moringen inhaftiert werden, schwören sie sich Freundschaft. Der Terror des Lagers trennt sie. Fünfzig Jahre später schreibt Franz auf dem Sterbebett einen Brief an den einstigen Mithäftling. Was er nicht weiß: Wilhelm ist längst verstorben. Der Brief, der nicht zugestellt werden kann, erweist sich als schweres Erbe für die Söhne der beiden ehemaligen KZ-Insassen. Zwei Männer, die sich vorher nie begegnet sind, beginnen, über die Jugend ihrer Väter in der NS-Zeit zu sprechen.

 

Das rund einstündige Stück, das in Kooperation mit der KZ-Gedenkstätte Moringen entstand, ruft die Geschichte des niedersächsischen Lagerortes Moringen ins Bewusstsein und greift mit einem Fallbeispiel aus der regionalen Geschichte das Thema „Jugend im faschistischen Deutschland“ auf. „Die Besserung“ schildert die Schicksale zweier von den faschistischen Behörden als „asozial“ eingestufter, jugendlicher Insassen. Eingebettet ist diese Erzählung in einer Rahmenhandlung, in der zwei Söhne sich mit den traumatischen Lebenserfahrungen ihrer Väter auseinandersetzen. Damit bringt das Stück eine lange verschwiegene und vergessene Einrichtung der Nationalsozialisten in Südniedersachsen, der während der NS-Zeit überregionale Bedeutung zukam, wieder in Erinnerung, thematisiert die Verletzung der Menschenrechte während des Terrorregimes der Faschisten und problematisiert das Kriterium des „Asozialen“, das in der Mehrzahl der Fälle zur Inhaftierung von jugendlichen Männer in Moringen führte. Daneben wird gezeigt, dass die Opfer in der Extremsituation des Lagers moralische und soziale Vereinbarungen untereinander aufgeben - um zu überleben.

 

Stücktext:

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Sophie Scholl

nach zeitgeschichtlichen Dokumenten

 

Als im Frühjahr 1942 die zwanzigjährige Kindergärtnerin Sophie Scholl aus dem Reicharbeitsdienst entlassen wird, ist zu Hause bei ihrer Familie in Ulm die Situation angespannt: Ihrem Vater, der im Beisein einer seiner Angestellten eine kritische Bemerkung über Hitler gemacht hat, droht eine Anklage. Sophies eineinhalb Jahre älterer Bruder Hans, der in München Medizin studiert, beschließt gegen das Regime aktiv zu werden. Nur Sophie deutet er seine Pläne an, mit Flugblättern an die Öffentlichkeit zu treten. Sophie folgt ihm nach München, um ebenfalls zu studieren. Hans führt sie ein seinen Freundes- und Bekanntenkreis ein, in dem sich regimekritische Intellektuelle bewegen, die auf eine vernichtenden Niederlage der Wehrmacht und damit auf ein Ende der Herrschaft Hitlers hoffen. Ende Juni bis Mitte Juli kursieren in München und Ulm plötzlich vier Flugblätter mit politisch brisanten Botschaften. Die anonymen Verfasser, die zum Widerstand gegen Partei und Krieg auffordern, nennen sich „Die Weiße Rose“. Sophie ahnt, dass ihr Bruder und dessen bester Freund Alexander Schmorell hinter der Sache stehen, schweigt aber gegenüber der Familie, den Freunden und Bekannten. In den Semesterferien, als Hans zum Sanitätsdienst nach Russland beordert ist, ihr Vater inhaftiert wird und sie Kriegshilfsdienst in Ulm leisten muss, reift ihr Entschluss: Sie wird an zukünftigen Widerstandsaktionen praktisch mitwirken. Im November beginnt sie mit Hans und einigen Freunden ein mühevolles und gefährliches Unternehmen – das im Februar 1943 ein tragisches Ende nimmt, als die Geschwister beim Verteilen von Flugblättern in der Münchner Universität entdeckt und festgenommen werden.

 

stille hunde hat ein biografisches Stück entwickelt, das das letzte von existenziellen Entscheidungen geprägte Lebensjahr der Widerstandskämpferin vorstellt und damit ein Schlaglicht auf eine außergewöhnliche studentische Aktionsgruppe wirft, die unter Einsatz des Lebens gegen den Fortbestand des nationalsozialistischen Unrechtsregimes protestierte.

 


Der Fall Vanunu

nach zeitgeschichtlichen Dokumenten

 

Als im Spätsommer 1986 Reporter der in London erscheinenden Sunday Times Informationen über ein geheimes Atomwaffenarsenal in Israel zugespielt bekommen, bahnt sich ein internationaler Skandal an. Nach anfänglicher Skepsis vertrauen die Journalisten ihrem Informanten, dem ehemaligen Nukleartechniker Mordechai Vanunu. Dessen Angaben erweisen sich nach Einschätzung von Experten als stichhaltig. Kurz vor der Veröffentlichung der brisanten Fakten verschwindet Vanunu plötzlich spurlos - wie sich später herausstellen wird, entführt durch Agenten des israelischen Geheimdienste, um den vermeintlichen Spion und Landesverräter in Israel vor ein Gericht stellen zu können.


Mit dem dokumentarischen Theaterstück greift stille hunde Ereignisse der jüngeren Geschichte auf. Gemeinsam mit der Göttinger Sektion von Amnesty international wurde ein szenisches Protokoll konzipiert, das die spektakuläre Enthüllung des israelischen Nuklearwaffenprogramms vor fünfundzwanzig Jahren nachzeichnet. Anhand des Schicksals eines politischen Aktivisten wird darin die Frage nach der Rechtmäßigkeit von Maßnahmen zum Schutz staatlicher Interessen aufgeworfen.

 

 

Literatur auf der Bühne

 

Aktuelle Belletristik


Briefsteller

Szenische Lesung des Romans von Michail Schischkin

 

Eine Frau verliert ihren Liebhaber, aber nicht ihre Liebe. Sascha und Wolodja haben nur einen gemeinsamen Sommer, dann reißt der Krieg sie auseinander. In Gedanken bleiben sie sich nah, Briefe verbinden sie. Während Wolodja ihr von den täglichen Gräueln an der Front berichtet, erzählt Sascha von alltäglichen Begebenheiten, zeichnet ein Bild der vermeintlichen Normalität zu Hause. Als Wolodja umkommt, bedeutet sein Tod keine endgültige Trennung. Sascha hält an ihren Gefühlen fest. Sie schreibt weiter, unermüdlich, Tag für Tag, Monat für Monat, Jahr um Jahr, und lässt den immer jungen Toten gegen alle Gesetze von Raum und Zeit, gegen die Widrigkeiten der Wirklichkeit und gegen alle Schicksalsschläge an ihrem ganzen Leben teilhaben.

Der Roman des 1961 in Moskau geborenen, in der Schweiz lebenden Autors Michail Schischkin ist inzwischen 25 Ländern erschienen und wurde auf der Leipziger Buchmesse 2012 für den Preis der besten Übersetzung nominiert.  Erste Theaterfassungen wurde bereits in Russland, der Ukraine und der Schweiz aufgeführt. Für die Göttinger Produktion hat Stefan Dehler den Text auf der Grundlage der Übersetzung von Andreas Tretner neu eingerichtet. Die Hauptrolle übernimmt Charlotte Schwab. Die gebürtige Schweizerin steht seit über dreißig Jahren auf der Bühne. Einem breiten Publikum wurde sie vor allem durch ihre zahlreichen Auftritte in Film- und Fernsehproduktionen bekannt.

 

Pressestimme

 

 

 

Klassiker


Reineke Fuchs

Szenische Lesung der Verserzählung von Johann Wolfgang Goethe

 

Fuchs bleibt Fuchs, und Gänse wird er stehlen, solange er lebt. Das Offensichtliche dieser Tatsache versteht der schlaue Held der Geschichte aber auf wundersame Weise immer wieder zu verschleiern. So gut beherrscht er die Spielregeln der Gesellschaft, so gut kennt er sich aus im Zwischentierischen, so sehr ist er Meister der Lüge und Manipulation, dass er sich keine Sorgen um sein Wohlergehen zu machen braucht. Zwar häufen sich die Klagen seiner Neider und Opfer beim König der Tiere, aber stets finden sich auch gut bezahlte Anwälte, die seine Sache ins beste Licht zu rücken verstehen. Den Bogen scheint Reineke aber überspannt zu haben, als auf einer Versammlung der Tiere die Präsentation einer gemeuchelten Henne keinen Zweifel mehr am verbrecherischen Charakter des Fuchses offen lässt. Der Löwe sieht sich gezwungen, gegen Reineke vorzugehen. Die königlichen Abgesandten jedoch sind allesamt dem Beschuldigten nicht gewachsen. Mit immer neuen Kniffen und Tricks lässt die der Fuchs in Fallen tappen und entkommt. Am Ende hat er nicht nur seine Gegner überwunden, sondern steht dank Geist und Witz und einer gehörigen Portion Schamlosigkeit wieder im Range eines Ehrenmannes in höchstem Amt und Würden.

 

Die Erzählung vom Räuber und Betrüger Reineke und seiner Opfer geht auf mittelalterliche, lateinische und französische Quellen zurück. Große Bekannt- und Beliebtheit erzielte im deutschsprachigen Raum der Stoff in der Fassung von Johann Christoph Gottsched, eine Übersetzung aus dem Niederdeutschen. Das Buch regte Goethe 1793 zu einer pointierten Nacherzählung in Versen an, die bis heute durch ihre literarische Kunstfertigkeit als auch die satirische Schärfe fasziniert und amüsiert. Stefan Dehler und Christoph Huber stellen Ihre Interpretation von Goethes „unheiliger Weltbibel“ in einer rund eineinhalbstündigen szenischen Lesung vor.

 


Wilhelm Tell

Szenische Lesung des Dramas von Friedrich Schiller

 

Erfunden haben sie ihn nicht, die Schweizer. Ehrlich nicht! Irgendwoher aus dem Dunkel nordischer Sagen stammt der Mann, der zur Strafe für die Unbotmäßigkeit gegenüber einem Fürsten dem eigenen Sohn den Apfel vom Kopf schießen muss. Dem auf Selbstbestimmung beharrenden Zusammenschluss von helvetischen Kleinfürsten gegen ein zur feindlichen Übernahme stets bereites Rest-Europa diente der selbstbewusste und selbstbestimmte Aufsässige unter dem Namen Wilhelm Tell dann als militantes Leitbild. Zum überzeitlichen Freiheitshelden hat den Partisanen schließlich ein vaterlandsflüchtiger Deutscher gemacht: Friedrich Schiller. In seinem letzten Drama stilisierte er den bergbäuerlichen Widerstand gegen die Herrschaftsansprüche der Habsburger zum universellen Freiheitswillen und gab damit die literarische Steilvorlage für den im Laufe des 19. Jahrhunderts aufblühenden Nationalmythos der Schweizer. Daneben bereicherte der Dichter mit seinem Actiondrama den Zitatenschatz der Deutschsprachigen um ein beträchtliches Konvolut. Heute erscheint der fiktive Held Tell selbst in der traditionsbewussten Schweiz ein wenig seines urwüchsigen Ernstes beraubt. Sein Bild ist zum drittklassigen Werbesignet abgesunken, inzwischen prangt das Bild des mythischen Ur-Schweizers auf Käseverpackungen und Fremdenverkehrsbroschüren, auf Shampooflaschen und Kindertrinkbechern, auf Einkaufstaschen und Bierdeckeln.


Stefan Dehler und Christoph Huber, idealerweise ein deutsch-schweizerisches Team, begeben sich mit Schillers Drama auf die Pfade Wilhelm Tells und erzählen von Liebe und Zorn eines Volkshelden wider Willens. Vielstimmig und vielbärtig, ernst und auch immer mal wieder erfrischend unernst berichten sie in ihrer szenischen Lesung von skrupellosen österreichischen Besatzern und von grundehrlichen Schweizer Bergbauern, vom Hut auf der Stange, von Kindern, die sich nicht vorstellen können, in einem Land zu leben, das keine Berge hat, vom Vorteil einer Axt im Haus, vom Apfelschuss und vom Attentat des Titelhelden in der hohlen Gasse. Wenn notwendig jodeln sie sogar und erklären darüber hinaus gerne das Wesen der Eidgenossen dem Rest der geneigten Welt. 

 


Die Leiden des jungen Werthers

Szenische Lesung des Romans von Johann Wolfgang Goethe

 

Werther schreibt sich die Seele aus dem Leib, so scheint es. Seine Briefe an den besten Freund zeichnen in grellen Farben das Bild eines orientierungslosen Menschen, zerrissen zwischen unbändiger Lebensgier und demoralisierendem Weltekel. Die Hierarchie und die Konventionen der absterbenden Ständegesellschaft, die moralische und philosophische Enge in Köpfen des Bürgertums, die biedere Bildungsbeflissenheit, die Obrigkeitshörigkeit und der Geschäftsinn seiner Mitmenschen - all dies stürzt Werther in tiefste Verzweiflung. Erleichterung findet er allenfalls in der Betrachtung unberührter Natur. Sein Leben erfährt eine ungeahnte Wendung zum Rauschhaften, als er Lotte, die bereits verlobte Tochter des Wetzlarer Amtmanns, begegnet. Beflügelt vom Gedanken, die Zuneigung und die Liebe dieses Mädchens zu erringen, wird er völlig blind für die Spielregeln der Gesellschaft. Bestürzt liest sein bester Freund aus den schwärmerischen Briefen, wie sich Werther zum untragbaren Ärgernis seiner Mitmenschen entwickelt - und schließlich jede Hoffnung auf Glück mit einem Pistolenschuss zunichte macht.

 

stille hunde stellen die wesentlichen Passagen aus Goethes epochemachenden Briefroman in einer szenischen Lesung vor und geben Goethes Helden Stimme und Gesicht.

 

 

 

Novellen


Die Verwandlung

Szenische Lesung der Erzählung von Franz Kafka

 

Ein Mann erwacht und ist nicht mehr derjenige, der er war, als er zu Bett ging. Über Nacht hat er sich in ein riesiges käferartiges Insekt verwandelt. Für seine Familie, der er bislang durch sein Einkommen als Handelsreisender eine Existenz in Müßiggang verschafft hat, wird er so zu einer schweren Belastung. Der Vater reagiert mit Gewaltausbrüchen, Mutter und Schwester mit Tränen. Die Verhältnisse kehren sich um. Während er dauerhaft die Enge seines Zimmers verbannt wird, müssen Vater, Mutter und Schwester sich um Lohnarbeiten außerhalb bemühen. Zudem ist der Verwandelte auf Pflege angewiesen, die im Laufe der kommenden Wochen und Monate immer widerwilliger und nachlässiger geleistet wird. Die Situation spitzt sich zu, als drei zahlungskräftige Untermieter in die in die Wohnung einziehen. Der unerwartete Anblick des riesenhaften Käfers vertreibt die Herren. Die Familie verliert somit ein dringend benötigtes Einkommen. Nun scheint es nur noch eine einzige Lösung für das Problem zu geben: der Tod des Monsters.

 

Franz Kafkas fantastische Erzählung von der unerklärlichen Verwandlung des Gregor Samsa ist der literarische Bezugspunkt der Performance, die Stefan Dehler und Christoph Huber erarbeitet haben. Musik, Tanz, Rede und Aktion ergänzen in dieser Performance einander in schnellem Wechsel zu einer Abfolge von erzählenden Bildern.

 


In der Osternacht

Szenische Lesung der Erzählung von Anton Tschechow mit Musik für Flöte solo

 

Auf der Flussfähre, die Gäste zum Ostergottesdienst im gegenüberliegenden Kloster bringt, entspinnt sich ein Gespräch zwischen einem Besucher und dem Laienbruder, der in dieser Nacht als Schiffer eingesetzt ist. Der Fährmann beklagt den Tod seines einzigen Freundes, eines Mönchs, der seine ganze Schaffenskraft der traditionellen Kunst des Lobgesangs gewidmet hatte, ohne dafür jemals besondere Anerkennung im Kloster zu genießen. Während im Anschluss der Besucher in Erwartung einer besonderen Inspiration an den turbulenten Feierlichkeiten teilnimmt, wartet der Laienbruder vergeblich auf seine Ablösung. Im Morgengrauen treffen die beiden Männer wieder aufeinander - der eine vom Spektakel der Osternacht ernüchtert, der andere trotz seiner Trauer und Enttäuschung noch immer voll Gottvertrauen.

 

stille hunde inszeniert Anton Tschechows berühmte Erzählung, in der die Gnade der spirituellen Erfahrung mit der volksfesthaften Inszenierung der Heilsfreude kontrastiert wird, als meditatives Hörbild. Begleitet wird die szenische Lesung von der Flötistin Elisabeth Möst, die eine Vertonung zu Psalm 36, „Gott, die Quelle des Lebens“, von Thomas Daniel Schlee, Werke von Niccolò Paganini und Sigfrid Karg-Elert sowie frei improvisierend kontrastreiche, atmosphärisch dichte Klangbilder beisteuert.

 

 

 

 

Lyrik


Generationen kommen, Generationen gehen, hirschlederen Reithosen bleiben bestehen

Ein Streifzug durch die wilde Welt der deutschen Balladen

 

Die Ballade. Oh je! Ein Stoßseufzer entringt sich den Eingeweihten, während sich die Ahnungslosen fragen: Was ist das eigentlich? Was vor etwas mehr als fünfzig Jahren noch in Ehren gehaltenes literarisches Allgemeingut war (ja bisweilen geradezu im Rang nationaler Kunstwerke stand), was da in den guten Stuben und in den Schulzimmern landauf und landab mal leidenschaftlich deklamiert, mal kraftlos heruntergeleiert wurde, scheint heute größtenteils vergessen. Oder zu einem unwürdigen Dasein in der Zitatenramschkiste der Popkultur herabgekommen. Hand aufs Herz: Die Zeiten sind lausig geworden für die Ballade, jenes lyrische Mittelformat der verdichteten, zumeist gereimten Kurzerzählung von unerhörten Begebenheiten, heldenhaften Menschen, Tieren oder sonstigen Sensationen. So ganz von ungefähr kommt der Niedergang der Ballade natürlich nicht. Der Zeitgeist sperrt sich inzwischen vehement gegen das zumeist als pathetische und moralinsauer empfundene Gedröhn der Verse. Die besungenen Ritter und Jungfrauen, Dolchträger und Tyrannen, die opferbereiten Bürgen und treuen Freunde, die kinderstehlenden Naturgeister und fahrenden Sänger waren ja schon zu Goethes und Schillers Zeiten nostalgisch verbrämtes Märchenzubehör. Heute taugen sie weniger denn je zum Träger einer ernsthaften Botschaft. Dabei hat die Ballade aber unbestritten ihre Qualitäten. In ihrer dramatischer Zuspitzung übertrifft sie das Theater, in Kürze und Prägnanz die Novelle und den Roman. Mit gut und spannend erzählten Geschichten kann die Ballade also allemal aufwarten.

 

Dass mit der Ballade doch noch der eine oder andere Blumentopf zu gewinnen ist, wollen Christoph Huber und Stefan Dehler unter Beweis stellen. Die beiden haben sich in die Tiefen (und Untiefen) deutschsprachiger Gedichtsammlungen gewagt und Bekanntes wie Unbekanntes zusammengetragen. Nun laden sie mit dem, was sich hören lassen kann, alle Balladenfans zu einem nicht immer geschmack- und stilsicheren Vortragsduell ein, bei dem die titelgebenden Reithosen unter anderem Tauchern und Erlkönigen, Birnbaumpflanzern und Steuermännern angedient werden.

 


Die alten Fabelwesen sind nicht mehr, das reizende Geschlecht ist ausgestorben

Lyrik und Prosa von Friedrich Schiller

 

Helden steigen und fallen. Es ist ihr Schicksal, eine Zeitlang in der Gewissheit zu leben, nichts und niemand könne sie aufhalten, sich wie die Götter zu fühlen, und wenn nicht das ewige Leben, so doch den ewigen Ruhm zu erlangen, um dann irgendwann aus diesem Traum aufzuwachen. Der Historiker und gewiefte Theaterautor Schiller hat sich nie Illusionen darüber gemacht, wie es um Ruhm und Nachruhm, Wirkung und Nachwirkung in der Welt bestellt ist.

 

„Dem Mimen flicht die Nachwelt keine Kränze“ behauptete er in einem Sinngedicht, das er als Vorrede einem Theaterstück voranstellte, und er meint damit nicht nur den Schauspieler auf der Bühne, sondern auch alle diejenigen, denen im wahren Leben eine bedeutende Rolle zugesprochen wurde. An seinen berühmten Theaterfiguren hat Schiller es warnend vorgeführt, wie groß die Wünsche und wie klein im Gengensatz dazu die Kräfte des Menschen sind. Mit ironischem Unterton lässt er den Untergang einer ganzen Kultur von einer seiner Bühnenfiguren, Max Piccolomini in „Wallensteins Lager“, kommentieren: „Die alten Fabelwesen sind nicht mehr, das reizende Geschlecht ist ausgestorben.“ Tröstlich ist aber, dass wir das Verlorene in Gedanken auferstehen lassen können. Der Wissenschaftler rekonstruiert, der Dichter fabuliert. Und so gelingt es, in uns eine Vorstellung zu wecken, von dem, was einmal war. Die Sänger und Heroen der Antike beispielsweise, die jungfrauenfressenden Drachen, Ritter Delorges und der König Franz im Kranz seiner Damen – alles längst Schnee von gestern, aber dank Schillers Erzählkunst in unserer Fantasie doch wieder lebendig.

 


Frühling lässt sein blaues Band

Lyrik über das erste Quartal des Jahres

 

„Eine echte Auferstehung, ein Stück Unsterblichkeit“, so bejubelte der amerikanische Schriftsteller Henry David Thoreau Anfang des neunzehnten Jahrhunderts überschwänglich den Frühlingsbeginn – und reihte sich mit diesen Worten ein in die Riege der Poeten, die dem Frühling besondere dichterische Wertschätzung zukommen ließen. Tatsächlich: Keine Jahreszeit ist so oft und so lobend besungen worden wie der Frühling. Die Freude über das Ende der Winterkälte, das sehnsüchtig erhoffte Erwachen der Natur und den Anbruch der Zeit der Liebe waren und sind zu allen Epochen die vorherrschenden Themen der Frühlingslyrik - der unbeschwert heiteren ebenso wie der von einem wehmütigen Zug durchwehten und der mit einem satirischen Stich.

 

Stefan Dehler und Christoph Huber haben sich auf einen Streifzug durch „Dichterfrühlinge“ aus drei Jahrhunderten begeben und ihre schönsten Fundstücke in einer Lesung zusammengestellt: Hymnen, Oden, Balladen und Lieder im Volkston – verfasst von namenhaften Autorinnen und Autoren. Natürlich ist das tragikomische Goethesche „Veilchen“ ebenso darunter wie Mörikes berühmtes „blaues Band“, das dem Programm seinen Titel gibt.

 

 

 

Satiren


Rotkäppchenvariationen

Ein satirischer Streifzug durch die Bestände

 

Wer kennt sie nicht, die Erzählung vom Mädchen mit der roten Kappe, das eines Tages von einem Wolf gefressen wird? Immerhin gehört die Geschichte ja zu den bekanntesten der Brüder Grimm und gilt als Inbegriff der deutschen Märchenkultur. Nur wenige wissen aber, dass das berühmte Rotkäppchen und sein Widersacher, der Wolf, einen Migrationshintergrund haben: Tatsache ist, dass die beiden ursprünglich aus Frankreich stammen und erst seit Mitte des 19. Jahrhunderts in Deutschland beheimatet sind. Seither haben Rotkäppchen und der Wolf im deutschsprachigen Sprachraum eine steile Karriere gemacht, die noch lange nicht beendet ist. Denn beide Helden haben immer wieder ihre Kostüme gewechselt, und ihre Geschichte ist in immer neuen Variationen nacherzählt wurde - von berühmten ebenso wie unbekannten Autorinnen und Autoren.

 

Stefan Dehler und Christoph Huber haben die Bestände der historischen und neueren Nachdichtungen gesichtet und stellen in ihrer szenischen Lesung die besten der von ihnen aufgespürten Fassungen vor.

 


Die Wahrheit langweilt mich, deshalb lüg‘ ich. Münchhausens Abenteuer

Ein literarischer Wettstreit mit den Erzählungen von Gottfried August Bürger

und anderen Geschichten, die das Leben schrieb. Oder auch nicht.

 

Nichts ist so dauerhaft wie eine gut erzählte Lüge. Das liegt nicht selten daran, dass sie meist schillernder ist als die bloße Wahrheit. Wahr ist: Unglaubwürdiges fesselt uns stärker als Wahrscheinliches. Es kommt also nicht von ungefähr, dass der Freiherr von Münchhausen mit seinen tolldreisten Jagdgeschichten, den aberwitzigen Reise- und Kriegsberichten zum Inbegriff des faszinierenden Schwadroneurs und Lügners geworden ist, der einer ernüchternden Wirklichkeit durch schrille Fantastereien entkommt. Tatsache aber ist: Zur Feder gegriffen hat der historisch verbürgte Münchhausen nie. Es waren andere, die dem Freiherrn ein ewiges, hoch unterhaltsames, aber fiktives Leben geschenkt haben - am erfolgreichsten Gottfried August Bürger mit seinen satirisch zugespitzten Erzählungen, die im originalen Wortlaut bis heute nichts von ihrem subversiven Geist verloren haben.

 

Stefan Dehler und Christoph Huber machen den legendären Münchhausen zur Grundlage eines frech-fröhlichen literarischen Duells, in dessen Verlauf das prekäre Verhältnis von Wahrheit und Lüge erforscht wird. Dabei greifen sie auch auf wahre, wenn auch unglaubwürdige Geschichten zurück, die das Leben schrieb – oder Geschichten, die das Leben hätte schreiben sollen oder können. Sicher können die Zuschauer also nicht sein, wenn behauptet wird: „Alles ist wahr, so wahr, wie es eben nur sein kann.“

 


Amerikanische Komödien

Zwei Erzählungen von Mark Twain

 

Die turbulenten Ereignisse rund um ein anonymes Geldgeschenk, die der Autor in „Wie Hadleyburg moralisch auf den Hund kam“ beschreibt, enthüllen im Gewand einer Sittenkomödie schonungslos die Doppelmoral einer von puritanischer Weltanschauung geprägten Kleinstadt. In „Die Romanze einer Eskimojungfrau“ portraitiert sich der Autor selbst - in der Rolle eines naiven Berichterstatters am Rande der zivilisierten Welt: Zwischen Begeisterung für ein Leben in Einklang mit der Natur und dem Ekel vor den vermeintlich barbarischen Gebräuchen der Eingeborenen schwankend, gibt er ein Interview mit der Tochter eines reichen Stammesfürsten wieder – das den Einfluss der Zivilisation als unheilvollen Dreh- und Angelpunkt einer tragischen Liebesgeschichte enthüllt.


Mit zwei Erzählungen Twains im Handgepäck („Wie Hadleyburg moralisch auf den Hund kam“ und „Die Romanze einer Eskimojungfrau“) brechen Stefan Dehler und Christoph Huber zu einer Reise durch die moralischen Landschaften eines fortschrittsgläubigen, stolzen und dennoch verletzlichen Kontinents auf, machen darüber hinaus einen Abstecher zum Polarkreis, um einen Abglanz der Zivilisation zu bestaunen. Ganz dem Paradox Twains folgend eignen sie sich dabei die Personen und Gegenstände in liebevoller Betrachtung an und geben sie nichtsdestotrotz in spöttischer Distanz auch dem Gelächter preis.

 


Der Mann mit dem verschluckten Auge

Die katastrophal komische Welt des Hermann Harry Schmitz

 

Eigentlich sollte der Name Hermann Harry Schmitz auf einer Liste der zehn witzigsten deutschsprachigen Autoren zu finden sein. Irgendwo im oberen Drittel. Die Glossen und Kurzgeschichten des 1880 geborenen und früh verstorbenen Düsseldorfer Fabrikantensohns haben zweifellos das Zeug zu Klassikern. Hätten die Jungs der Monty- Python-Truppe schon 1910 mit anarchischem Humor Karriere machen wollen, sie hätten vermutlich bei Schmitz abgeguckt. Bei ihm wird aus einer simplen Shoppingtour mit der schrulligen Tante ein Weltuntergangsereignis von fast globaler Dimension, und ein riskantes Experiment in Sachen Selbstbetrachtung führt dazu, dass das Auge eines Mannes endlich das abenteuerliche Innere der Gedärme kennenlernt und in ein philosophisches Gespräch mit einem Bandwurm verwickelt wird. Darüber hinaus weiß Schmitz sehr pointiert von Marotten, Moden und anderen Schwächen sowie den schreiend komischen Seiten zu berichten, die furchtbar normale Dingen manchmal haben.

 

Stefan Dehler und Christoph Huber machen sich daran, den zu Unrecht vergessenen Meister des witzigen Grauens wieder zu entdecken und stellen in ihrer szenischen Lesung einige der schaurig-schönen Geschichten über die katastrophalen Seiten des bürgerlichen Alltags vor.

 

 

 

 

Erotische Erzählungen


Das schwarze Dekameron

Erotische Erzählungen aus Nordafrika 

 

Es ist ein ungleicher Kampf, wenn die Vernunft gegen die Liebe antritt. In den meisten Fällen steht die Siegerin schon zu Beginn fest. In der Gewalt einer erotischen Fantasie werden auch ansonsten kluge Männer und Frauen zu gesetzlosen Verrückten. Angesehene Männer verwandeln sich in tolldreiste Verführer und bislang treue Ehefrauen werfen sich in die Arme von skrupellosen Liebhabern. Erst wenn der Rausch verflogen ist, kann der Verstand rettend eingreifen – wohl denen, die dann genug davon haben, um der Strafe entrinnen können.

 

Von der Herrschaft des Gefühls über den kühlen Kopf und den komischen wie tragischen Konsequenzen daraus erzählen die Mythen, Legenden, Märchen und Schwänke, die der deutsche Anthropologe und Kulturhistoriker Leo Frobenius Anfang des vergangenen Jahrhunderts auf seinen Reisen durch das nordöstliche Afrika aufgezeichnet hat. Sein Erzählband „Das schwarze Dekameron“ rückt die afrikanischen Erzähltraditionen in den Rang von Weltliteratur und stellt einen kulturgeschichtlichen Schatz von besonderer Bedeutung dar. Stefan Dehler und Christoph Huber stellen in ihrer szenischen Lesung Geschichten daraus vor.

 


Liebe und andere Strafen

Erotische Erzählungen von Giovanni Boccaccio, Réstif de la Bretonne und aus dem alten Japan

 

Drei Geschichten über die Liebe: Ein Engel mit falschen Flügeln zeigt Venedigs Damen das Paradies. Eine tugendstolze französische Landadelige verliert im Strudel einer späten Leidenschaft Verstand und Ehre. Eine japanische Hofdame zieht ein Bad im Karpfenteich dem Bett ihres Verlobten vor…

 

Stefan Dehler und Christoph Huber schreiten mit drei Erzählungen aus drei Epochen, in denen Komik und Tragik, Lust und Schmerz, Liebe und Scham nahe beieinander liegen, das weite Feld der erotischen Sehnsüchte ab, wagen sich auf emotionale Schleichpfade und in die düsteren Gassen und Winkel der Begierden. 

 

 

Märchen


Gerechtigkeit wohnt nur im Himmel

Märchen der Brüder Grimm

 

Nichts ist so trügerisch wie die Hoffnung. Zumindest in der Wirklichkeit. Sie verführt zum Handeln, wo geduldiges Abwarten die glücklichere Entscheidung gewesen wäre, und sie beruhigt, wo allein Aufbegehren und Kampf den Dingen eine gute Wendung geben könnte. Von derlei kritischen Betrachtungen wollen die Märchen nichts wissen. Sie sind das Genre der Hoffnung par excellenz. In ihnen erscheinen die hoffnungssatten Wunschvorstellungen von Rettung und Gerechtigkeit, Reichtum und Liebesglück als einzig mögliche Wendung des Geschehens. In ihrer Welt darf zwar gelitten werden, doch niemals endgültig. Die schönen Guten, die guten Schönen, die törichten Reinen und die reinen Toren müssen oftmals irdischen Höllen durchwandern, aber ihr Publikum darf sich sicher sein, dass irgendeine Himmelsmacht ihrem Elend ein gutes Ende macht. Denn Faulen und Dummen, den Falschen und Bösen dagegen müssen die Märchen Warnung sein. Sie sind es, die allen Wahrscheinlichkeiten zum Trotz unausweichlich zur Rechenschaft gezogen und ihrer verdienten Strafe zugeführt werden. Ihnen droht das Ausgelachtwerden im besten, Verbannung und grausamer Tod im schlimmsten Fall.

 

Stefan Dehler und Christoph Huber haben sich im Kosmos der Grimmschen Märchen umgetan und lichte und düstere Zonen ausgekundschaftet, haben dabei in Abgründe des Schreckens und des Schmerzes geschaut und den mühsamen Weg zu den Gipfeln der Hoffnung angetreten. Ihre schönsten Fundstücke - darunter bekannte wie unbekannte Märchen - stellen sie in einer szenischen Lesung vor.

 


Gesottenes und Gebratenes

11 Märchen der Brüder Grimm im Wortlaut der Erstausgabe,

Musik von Bernd Nawothnig

 

Im Dezember vergangenen Jahres konnte sie ihren 200sten Geburtstag feiern - die Erstausgabe der "Kinder- und Hausmärchen", mit der Jakob und Wilhelm Grimm sich weltweite Popularität sicherten. Das besondere Jubiläum war Anlass für den Göttinger Märchenland e.V. eine Lesung mit ausgewählten Märchen aus der Jubiläumsausgabe zu produzieren. Die Musik dafür stammt vom international renommierten Jazzmusiker Bernd Nawothnig. Gemeinsam mit dem Komponisten und seiner Band stellen die beiden Sprecher Stefan Dehler und Christoph Huber in einer musikalisch-szenischen Lesung bekannte und unbekannte Geschichten von vermeintlich kalten Fröschen, mutigen Schneidern, fleißigen und faulen Töchtern, nach Salat lüsternen Ehefrauen, an Nusskernen erstickenden Hühnern und seltsamen Wohngemeinschaften im Wortlaut der Originalausgabe vor.

 

Die Produktion ist auf CD erschienen und ist beim Göttinger Märchenland e.V., in den Göttinger Buchhandlungen, im Apex sowie bei stille hunde erhältlich.

 


Die Geschichte vom Kalif Storch

Märchen von Wilhelm Hauff,

Musik von Andreas Düker

 

Wo die Wirklichkeit Grenzen setzt, eröffnet die Magie Wege. Der Kalif von Bagdad wagt den Schritt in das Reich des Fantastischen, als er einem fliegenden Händler eine Droge abkauft, das ihn und seinen Wesir in Störche verwandelt. Der Zauber gerät jedoch zum Albtraum, denn die beiden vergessen das Wort, das ihnen die menschliche Gestalt zurückgeben kann. Der Kalif muss erkennen, dass er Opfer der Intrige eines bösen Magiers geworden ist, der die Herrschaft an sich reißen will. Kalif und Wesir bleibt nichts anderes übrig, als sich in ihr Schicksal zu fügen. Die Reise, auf die sich die Verwandelten nun begeben, führt sie jedoch auf verschlungenen Pfaden zurück zu Ansehen, Macht und Glück: zuerst in die Behausung einer in eine Eule verwandelten Prinzessin, dann zum geheimen Schlupfwinkel des Magiers und schließlich in Menschengestalt wieder nach Bagdad.


Stefan Dehler und Christoph Huber erzählen Wilhelm Hauffs berühmte Orientfantasie mit Mitteln des Figurentheaters nach. Die Musik dazu steuert der Göttinger Lautenist Andreas Düker bei.

 

 

 

Krimi, Abenteuer & Co


Der Hund der Baskervilles

Szenische Lesung des Romans von Arthur Conan Doyle

 

Die Geschichte des Verbrechens ist die Geschichte der menschlichen Natur. Und sie ist die Geschichte seines beständigen Scheiterns. Dass das so ist, verdanken wir den umtriebigen Gegenspielern des Bösen. Einer der bekanntesten, wenn auch leider nur die literarische Erfindung des schottischen Arztes und Schriftstellers Arthur Conan Doyle, ist der Detektiv Sherlock Holmes. Begabt mit schier unmenschlichen Geisteskräften bringt er Licht ins noch so tiefe Dunkel. Staunend und oft ein wenig düpiert von der intellektuellen Kälte des Verbrecherjäger protokolliert sein Freund und Begleiter Dr. Watson die gemeinsamen Abenteuer. 

 

Stefan Dehler und Christoph Huber spüren in ihrer szenischen Lesung dem Mythos des wohl bekanntesten Detektivs der Literaturgeschichte nach. Im Mittelpunkt ihres Abends steht mit dem Roman "Der Hund der Baskervilles" die Geschichte vom Geisterhund, der den letzten Mitgliedern der Familie Baskerville nach dem Leben trachtet. Stefan Dehler und Christoph Huber führen die Zuschauer lesend, improvisierend und spielend aus dem viktorianischen London in die düsteren Weiten von Dartmoor. Dabei beobachten sie nächtliche Lichtzeichen, lauschen geheimnisvollen Tierlauten und riskieren auch mal einen Spaziergang durch ein Gelände voller tückischer Moorlöcher.

 


In achtzig Tagen um die Welt

Szenische Lesung des Romans von Jules Verne

 

Der exzentrische englische Lebemann Phileas Fogg wettet mit seinen ungläubigen Zeitgenossen, dass es kein Problem sei, den ganzen Erdball in nur achtzig Tagen zu umrunden, was er auch unter Einsatz seines Vermögens beweisen könne und wolle. Der kühne Plan könnte gelingen, wenn nicht Detektiv Fix davon überzeugt wäre, in dem eilig aus London abgereisten Fogg einen gesuchten Bankräuber gefunden zu haben, den es so schnell wie möglich zu verhaften gelte. Immer dichter rückt er im Laufe der kommenden Tage und Wochen dem ahnungslosen Schnellreisenden auf die Fersen. Aber trotz widriger Umstände, halsgefährlicher Situationen und vieler hemmender Fallstricke gelingt es dem mit einer bemerkenswerten Portion Kaltblütigkeit ausgestatteten Fogg und seinem wendigen Diener Passepartout lange Zeit, dem inkognito reisenden Häscher den entscheidenden Schritt voraus zu sein…

Stefan Dehler und Christoph Huber setzen sich mit Jules Vernes Buch in der Hand auf die Spuren des berühmten Weltumrunders und suchen die Schauplätze seiner berühmten Abenteuer auf. In ihrer szenischen Lesung geraten die Wege von London nach Bombay, von Delhi nach Yokohama und von San Franzisco nach New York und Dublin zu den sprichwörtlichen „Katzensprüngen“ – und werden allen modernen Mobilitätsphilosophien zu vergnüglichen Bildungsreisen. 

 


Die Schatzinsel

Szenische Lesung des Romans von Robert Louis Stevenson

 

Als der alte Bill Bones sich im Gasthof „Zum Admiral Benbow” einquartiert, erfährt das Leben des jungen Jim Hawkins eine abenteuerliche Wendung. Bones, der auf der Flucht vor gefährlichen Verfolgern ist, vermacht nach seinem Tod dem Jungen seine Habseligkeiten. Eines Nachts wird der Gasthof von einer geheimnisvollen Bande überfallen, die es offensichtlich auf den Nachlass des Verstorbenen abgesehen hat. Jim gelingt in der Dunkelheit die Flucht. Das Päckchen, das er mitgenommen hat, erweist sich als ein Versprechen auf eine Zukunft in Reichtum und Ansehen. Es enthält die Karte einer Insel, auf der der Schatz des legendären Piratenkapitäns Flint versteckt sein soll. Von der Echtheit des Dokuments überzeugt rüsten Freunde und Gönner des Jungen eine Expedition zu der vermeintlichen Schatzinsel aus. Was die redlichen Unternehmer nicht wissen: Ein Großteil der in Eile angeheuerten Mannschaft besteht aus den einstigen Mitgliedern von Flints Piratenbande und plant, Jim und seine Freunde zu ermorden, um so an das für immer verlorenen geglaubte Gold zu kommen...

 

Stefan Dehler und Christoph Huber begeben sich - Stevensons grandiose Piratenfantasie immer buchstäblich vor Augen - einäugig und holzbeinig, papageienumflattert, triefnasig, enthusiastisch und waffenstarrend auf große Fahrt zu exotischen Gefilden, trotzen den Brechern der Weltmeere, und lassen sich bis an den Rand des Wahnsinns von der karibischer Sonne und der Gier nach Gold foltern.

 


Oliver Twist

Szenische Lesung des Romans von Charles Dickens

 

Der Weg ins Elend scheint vorgezeichnet für den Waisenjungen Oliver. Statt einer fürsorglichen Erziehung und Schulbildung erwarten ihn in den von heuchlerischen Autoritäten lieblos und brutal geleiteten Fürsorgeeinrichtungen Hunger, Krankheiten und Prügel. Um den - nach der Bitte um ein wenig mehr Haferbrei - als aufsässig geltenden Jungen loszuwerden, verkauft ihn das Waisenhaus als Lehrling an den Bestatter Sowerberry. In dessen Betrieb erwarten Oliver die Schikanen des älteren Lehrjungen, Verleumdungen und wieder Prügel. Bereits nach kurzer Zeit reißt der verzweifelte Oliver aus. Eine Zufallsbekanntschaft führt ihn nach London, direkt in die Arme des Gauners Fagin, der eine Bande von Straßenkindern zu Taschendieben ausbildet. Olivers Schicksal scheint eine wundersame Wendung zum Guten zu nehmen, als ihn der wohlhabende Mister Brownlow vor der Verhaftung durch die Londoner Polizei schützt und bei sich aufnimmt. Leider setzen Fagin und dessen brutaler Kompagnon Sikes alles daran, Oliver wieder in ihre Gewalt zu bekommen. Eines Tages gelingt es ihnen, den Jungen auf offener Straße zu entführen. Oliver wäre für immer verloren, wenn ihn nicht doch noch das Mitleid einer jungen Frau und das Vertrauen in die Güte der Menschen retten würde...

 

Stefan Dehler und Christoph Huber zeichnen lesend und spielend den Weg nach, den Charles Dickens kindlicher Held vom Waisenhaus durch das kriminelle Milieu Londons bis zur rettenden Beletage eines großbürgerlichen Wohnhauses nimmt, und portraitieren die weltberühmt-berüchtigten Charaktere des Romans mit satirischem Witz und Mut zur Groteske.

 


Heidi

Szenische Lesung des Romans von Johanna Spyri

 

Heidi sieht die Welt, und entdeckt Gutes, Wahres und Schönes. Und die Welt erstaunt über das eigensinnige Naturkind. Nach dem Tod der Eltern dem Großvater auf der Hochalm zur Fürsorge überlassen, nimmt die Fünfjährige ihr neues karges Leben mit ansteckendem Gottvertrauen an. Die Alm ist ihr Paradies, und sie bewegt sich darin wie ein Engel am angestammten Platz. Allem und jedem schenkt Heidi ihr Herz: den Blumen der Almwiesen, den rauschenden Tannen hinter der Hüte des Großvaters, den Ziegen, dem ungelenken und menschenscheuen Öhi, dem bitterarmen Hütejungen Peter und dessen blinder Großmutter. Sie liebt vorbehaltlos - und wird vorbehaltlos wiedergeliebt. So sehr, dass es einer Katastrophe gleichkommt, als Heidis Tante das Mädchen in eine Anstellung vermittelt. Es soll Gesellschafterin des schwerkranken Mädchens Klara in Frankfurt werden. Von einem Tag auf den anderem aus dem Idyll der Bergwelt gerissen findet sich Heidi nur schwer in der Welt der Reichen und Gebildeten zurecht. Obwohl sie sofort die Sympathie Klaras gewinnen kann, machen ihr die ungewohnten Zwängen der großbürgerlichen Etikette und vor allem die grausame Pedanterie der Hausdame Rottenmeier das Leben zu Qual. Heidis Sehnsucht nach dem naturverbundenen Leben in der Schweizer Heimat wächst von Tag zu Tag...

 

Stefan Dehler und Christoph Huber begeben sich auf steile Pfade fernab der Zivilisation und entdecken mit Johanna Spyris 1880 und 1881 erschienenen zweibändigem Jugendroman rund um das Wunderkind Heidi die belebende Schönheit einer utopischen Schweiz, bevor sie sich in den Niederungen des Großstadtlebens mit von Hochhäusern verstellten Horizonten, Tischmanieren, Katzenphobie und dem Konsum von Äppelwoi konfrontieren. 

 

 

 

 

 

Gothic Novels


Dracula

Szenische Lesung des Romans von Bram Stoker

 

Im Auftrag einer Londoner Kanzlei reist der Anwalt Jonathan Harker nach Transsilvanien.  Er soll mit dem geheimnisvollen Grafen Dracula über den Kauf von Immobilien in England verhandeln. Trotz eindringlicher Warnungen der Einheimischen, lässt er sich nicht von seiner Mission abbringen und lässt sich zu dem einsamen Schloss in den Karpaten bringen. Harkers anfängliche Irritation über das unheimliche Auftreten des Grafen steigert sich im Laufe der kommenden Nächte zu Todesangst. Er erkennt, dass er in die Hände eines Dämons gefallen ist, der ihn umbringen wird. Harkers letzte Hoffnung ist ein lebensgefährlicher Fluchtversuch. Wenig später erreicht ein Geisterschiff die Küste Englands. Die Einwohner des Städtchens Whitby können sich keinen Reim auf das Schiff ohne Mannschaft machen. Sie ahnen nicht, dass mit ihm eine Bestie nach England gekommen ist. In den folgenden Monaten wird die junge Lucy Westenra jede Nacht von einem geheimnisvollen Wesen aufgesucht, dass ihr Blut trinkt. Als das Mädchen zu sterben droht, ruft ihr Arzt, Dr. Seward seinen erfahreneren Kollegen van Helsing zu Hilfe, der erkennt, dass Lucy von einem blutsaugenden Untoten verfolgt wird. Die Jagd auf den Vampir beginnt. Der inzwischen heimgekehrte Jonathan Harker ist dabei eine wertvolle Hilfe, denn er kennt die Verstecke Draculas…


Stefan Dehler und Christoph Huber stellen mit Bram Stokers Dracula das Urbild aller nachfolgenden Vampir-Romane in einer szenischen Lesung vor. Mit Witz und Mut zur Groteske  führen sie ihre Zuschauer tief ins Herz der Finsternis und demonstrieren nicht nur die Grausamkeit der Vampire, sondern auch die mindestens genauso schaurigen seelischen Abgründe der viktorianischen Engländer.

 


Frankenstein

Szenische Lesung des Romans von Mary Shelley

 

Victor Frankenstein, ein von Idealismus, Fortschrittsbegeisterung und medizinischem Ehrgeiz getriebener Forscher, plant, tote Materie zu beleben. Das im geheimen vorangetriebene Experiment gelingt: Frankenstein erschafft ein menschenähnliches Wesen. Das Geschöpf ist jedoch von erschreckender Hässlichkeit. Verzweifelt über seine Unfähigkeit, natürliche Schönheit nachahmen zu können, verweigert  der Wissenschaftler dem monströsen Lebewesen die nötige Fürsorge und überlässt es sich selbst und den Kräften der Natur - in der Hoffnung, es möge ohne die Hilfe der menschlichen Gemeinschaft umkommen. Aber das Geschöpf überlebt trotz der Ablehnung und Ächtung, die ihm im Umgang mit Menschen begegnen, erlernt in beinahe unbeschreiblicher Anstrengung menschliche Sprache und Sozialverhalten und macht sich schließlich auf die Suche nach seinem Schöpfer. Was dem Menschen immer unmöglich sein wird, erzwingt das von Victor Frankenstein geschaffen Wesen mit Gewalt: das Gespräch mit dem Schöpfer. Für Victor Frankenstein ist die Begegnung mit seiner fleischgewordenen Allmachtsfantasie die endgültige moralische Niederlage. Der Anklage seines Geschöpfes hat er nichts zu erwidern. Er ist das Monster, ein größenwahnsinnig unfähiger Gott. Sein Geschöpf, das nur das Recht auf ein würdiges Dasein verlangt, ist menschlicher als er selbst.

 

Vordergründig betrachtet scheint es sich bei Mary Shelleys berühmten Roman um eine bloße Schauergeschichte zu handeln. Bei näherer Betrachtung entpuppt sich ihre Erzählung über das waghalsige wissenschaftliche Unternehmen Viktor Frankensteins als ein raffiniertes philosophisches Gedankenexperiment, das mit den heute vorherrschenden, von den populären Filmadaptionen des Stoffes geprägten Vorstellungen nichts zu tun hat. Shelleys Buch besticht trotz melodramatischer Klischees, Schauereffekte und literarischer Schwächen vor allem durch eine verblüffende Ernsthaftigkeit, mit der die Autorin ein großes Thema der Menschheitsgeschichte aufgreift: die unstillbare Sehnsucht des Menschen nach Gottähnlichkeit. Stefan Dehler und Christoph Huber gehen in ihrer szenischen Lesung dem Mythos Frankenstein auf den Grund und stellen Mary Shelleys tragische Helden in einer szenischen Lesung vor.

 


Der Vampyr

Szenische Lesung der Novelle von John Polidori

 

Der junge Aubrey begegnet auf den festlichen Veranstaltungen der Londoner Oberschicht dem geheimnisvollen Lord Ruthven. Er ist fasziniert von dessen Aura, einer eigenwilligen Mischung aus Kälte und Charme, und sucht immer wieder die Nähe des Lords. Zu seiner Überraschung wählt ihn Ruthven eines Abends als Begleiter einer Reise aus. Ziel sind die antiken Stätten in Italien und Griechenland. Begeistert tritt Aubrey die Reise an. Bereits auf den ersten Stationen keimt aber in ihm der Verdacht, dass der Lord ein amoralischer Spieler und Verführer sein könnte. In Rom, wo der Lord sich anschickt, ein junges Mädchen zu verführen, kommt es zum Eklat. Aubrey trennt sich von Ruthven. Allein reist er weiter nach Griechenland.Hier lernt er das Bauernmädchen Ianthe kennen, die ihn auf seinen Streifzügen durch die Gegend begleitet und ihm von Volksbräuchen und Legenden erzählt. Ianthe berichtet auch von einem todbringenden Nachtwesen, das sich immer wieder seine Opfer unter den jungen Frauen des Dorfes sucht. Aubrey verlacht die Ängste des Mädchens. Eines Nachts jedoch wird Ianthe ermordet in einer einsamen Hütte aufgefunden. Aubrey bricht verstört zusammen.

Der inzwischen in Griechenland eingetroffene Lord Ruthven hört von der schweren Erkrankung seines ehemaligen Begleiters und sucht ihn in Athen auf. Er pflegt Aubrey, und einige Wochen später setzen sie gemeinsam die Reise fort. Als sie in den Bergen in einem Hinterhalt von Banditen geraten, wird der Lord tödlich verwundet. Der Sterbende nimmt Aubrey ein seltsames Versprechen ab: Nach der Rückkehr nach London soll Aubrey nichts über den Tod des Lords erzählen.Heimgekehrt wird Aubrey mit den Hochzeitsvorbereitungen seiner Schwester betraut. Entsetzt stellt er fest, dass der Mann, mit dem sich seine Schwester verlobt hat, der vermeintlich tote Ruthven ist, der unter einem anderen Namen auftritt. Vergeblich versucht er, die Hochzeit zu verhindern. Die Macht des Untoten hält ihn im Bann. Aubrey kann das Geheimnis nicht aussprechen. Der immer mehr in Verzweiflung geratende wird schließlich unter die Aufsicht eines Arztes gestellt, der ihn für geisteskrank erklärt. Als ihm am Hochzeitstag die Flucht aus seinem Zimmer gelingt, ist es zu spät. Seine Schwester ist mit ihrem Ehemann bereits zur Hochzeitsreise aufgebrochen. Wenige Stunden später hat Aubrey traurige Gewissheit, dass der Lord ein Vampir ist: man findet die Leiche seiner Schwester.

 

Nur wenig haben nachfolgende Autoren noch hinzuerfinden müssen. Dr. John Polidoris Novelle 1816 entstandene Novelle enthält nämlich bereits nahezu alle Zutaten, die auch die späteren Vampirerzählungen erfolgreich machten: die Bestie in Gestalt eines Edelmanns, die eiskalten, aber faszinierenden Augen des Fremden, blutjunge schöne Mädchen als Opfer, wildromantische Kulissen mit Ruinen und Mondschein – und einen verzweifelten Helden, der alles versucht, um eine geliebte Frau aus den Klauen des Vampirs zu befreien.

 


Der Mord als schöne Kunst betrachtet: Hopp-Frosch und Das Fass Amontillado

Zwei Erzählung von Edgar Allan Poe

 

Lachen ist gesund, sagt man. Es kommt aber darauf an, wer und über was oder wen lacht. Tatsache ist nämlich auch: Ein Witz kann tödlich enden. Dass muss der König eines fantastischen Reiches, der sich einen Spaß auf Kosten seines verkrüppelten Hofnarren macht, ebenso erfahren wie der venezianische Lebemann Fortunato, der zu spät erkennt, dass er einen alten Schulfreund wohl besser nicht allzu oft dem Gelächter der Gesellschaft hätte ausliefern sollen. Am Ende verliert der eine in der luftigen Höhe eines Festsaals Haut, Haar und Leben, während dem anderen der Atem in einer unterirdischen Sackgasse stockt...

 

Dass zu einem Mord mehr gehören sollte als eine dunkle Gasse, ein Knüppel und eine schlechte Gesinnung forderte 1827 schon der englische Schriftsteller Thomas de Quincey in seinem berühmten satirischen Traktat. Und tatsächlich: Was gibt es banaleres als ein Gewaltverbrechen? Das kriminelle Meisterwerk bleibt dagegen die Ausnahme und besonderen Talenten vorbehalten, wie auch die besondere Würdigung der Tat als Kunstform den speziell Interessierten vorbehalten bleibt. Von zwei Genies in der Kunst des Mordens weis de Quinceys amerikanischer Schriftstellerkollege und Altmeister der Kriminalliteratur Edgar Allan Poe in den Erzählungen vom Hofnarren Hopp-Frosch und vom venezianischen Weinkenner in „Das Fass Amontillado” zu berichten. Rachedurst und Lust an der Verstellung stehen in diesen zwei fantastischen Fallstudien in so perfekter Balance, dass sie zu kraftvollen Triebfedern ausgeklügelter Strategien taugen, mit denen Poes Helden ihren Feinden ein höchst grauenvolles Ende bereiten. Dass die Mörder am Ende vollauf zufrieden mit ihren Taten ungestraft davonkommen, beweist einmal mehr, dass sie von der Kunst des Mordens etwas verstehen und schamlos auf den Beifall ihres Publikums hoffen dürfen.


Stefan Dehler und Christoph Huber stellen mit den zwei berühmten Kriminalegrotesken Poes spannende Fälle höchst kunstreichen Mordens als satirische Exempel vor. In dem einen Fall schwingen sie sich gemeinsam mit dem Publikum in die Höhen der geschmückten Festhallenkuppel einer königlichen Residenz auf, im anderen Fall steigen sie in die salpeterverseuchten Verliese eines venezianischen Palazzos hinunter.

 


Im Schlund des Teufels

Zwei Erzählungen von Edgar Allan Poe,

Musik von Andreas Düker

 

Zwei Männer in Lebensgefahr. Ort und Zeit des Schreckens könnten unterschiedlicher nicht sein, und doch gleichen sich die Schicksale. Der eine treibt hilflos im Sog gewaltiger Wassermassen vor der norwegischen Küste dem sicheren Tod entgegen, der andere ist in der Finsternis unterirdischer Verliese der Willkür sadistischer Folterknechte ausgeliefert. Trotz aussichtsloser Lage versuchen beide aber das Unmögliche: dem sicheren Tod entkommen. Ihr Überleben ist der Triumph menschlicher Vernunft über die blinden Kräfte der Zerstörung.

Zwei Männer in den Fängen der Pest. Durch einen pestverseuchten Stadtteil Londons streifend geraten die Matrosen Tarpaulin und Bein in die unheimliche Gesellschaft der leibhaftigen Krankheit: König Pest und sein Hofstaat nehmen sie als Gäste in die erlauchte Runde auf. Der finalen Aufforderung, sich zu Tode zu trinken, begegnen die beiden Trunkenbolde mit dem Mut der Berauschten. Sie packen die aristokratischen Gruselgestalten beim Kragen und kämpfen sich den Weg zu Licht, Luft und Leben kurzerhand wieder frei.


Edgar Allan Poe, Meister schwarzer Romantik und Wegbereiter des psychologischen Kriminalromans, spannt mit seinen fantastischen Erlebnisberichten einen Bogen vom naturgegebenen zum menschengemachten Schreckensort, vom todbringenden Naturwunder zum Folterkeller, von der üblen Spelunke zum Totentanzambiente.